12.06.2026
Mitglieder der Bürgerinitiative Naturpark Sächsische Schweiz als Sachverständigeim Umweltausschuss des Sächsischen Landtages
In der 12. Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft des Sächsischen Landtages fand am 11. Juni eine öffentliche Anhörung zum Antrag der BSW-Fraktion “Zukunftsperspektiven für die Sächsische Schweiz - Natur schützen, Tourismus sichern, Bürger beteiligen” und zum Antrag der Fraktion BÜNDNISGRÜNE“ Nationalparkregion Sächsische Schweiz stärken: Natur schützen, regionale Wirtschaft fördern, Tourismus nachhaltig steuern” statt.
Zur Anhörung im Landtag waren zehn Sachverständige geladen, die sich jeweils in einer zehnminütigen Redezeit zu den Anträgen der Fraktionen äußern konnten. Die Positionen der Bürgerinitiative vertraten dabei Daniel Brade, Rolf Böhm und Hanka Owsian.
Der Hohnsteiner Bürgermeister Daniel Brade referierte aus kommunaler Sicht über die Probleme der Stadt Hohnstein mit der Nationalparkverordnung. Er berichtete über eingeschränkte Handlungsspielräume einer Kleinstadt zwischen Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet sowie über die Themen fehlender Waldbewirtschaftung und ungesichertem Waldbrandschutz der unmittelbar im oder am Nationalpark liegenden Siedlungsbereiche.
Als ein aktuelles Beispiel führte er die Verwüstungen nach dem Starkregen vom31. Mai an, bei dem beträchtliche Mengen unberäumter Holzmassen aus den Prozesschutzflächen angeschwemmt und den Flusslauf des Schindergrabens bei Hohnstein nun aufstauen und damit zu einer Gefährdung von Infrastrukturen führen.
Der Bürgermeister berichtete über die seit 2021 andauernde Diskussion über dringend notwendige Ausgliederungen von Flächen aus dem Nationalpark, über Gremienarbeit ohne Entscheidungsgewalt sowie über den traurigen Umgang mit landeseigenen Liegenschaften (Amselfallbaude, Winterbergbaude), deren zukünftige Nutzung aufgrund der schwierigen naturschutzrechtlichen Vorgabenzunehmend dem Verfall preisgegeben sind. Die Gründe für den einstimmigen Beschluss des Hohnsteiner Stadtrates zur Umwandlung des Nationalparks in einen Naturpark vom 15. September 2021 sind damit präsenter denn je.
Der Bad Schandauer Stadtrat und Kartograph Dr. Rolf Böhm konzentrierte sich in seinem Vortrag auf den desaströsen Zustand des Waldes, auf den Verlust der Wegestruktur sowie auf die Verbotsmentalität, die mit der Umsetzung des Nationalparks einhergeht.
Er verglich den Wald und das Wegenetz von heute mit dem Zustand vor 30 Jahren, forderte grenzüberschreitende Wanderwege sowie die Wiedereröffnung von Bergbauden (Winterberg, Amselfallbaude). Böhm wandte sich gegen den Vorwurf, dass Wanderwege großflächige Ruhezonen zerschneiden und deshalb auszudünnen seien. Er warnte vor einem radikalen Naturschutz ohne den Menschen, da dieser zu Konflikten führt und plädierte für einen Naturschutz mit und für den Menschen, für Eintracht und Harmonie von Mensch und Natur.
Die Kulturwissenschaftlerin Hanka Owsian erläuterte in ihrem Vortrag drei grundlegende Probleme in der Diskussion um den Schutzstatus der Sächsischen Schweiz. Sie bemängelte die fehlende Beachtung der Dimension der Kulturlandschaft neben den Faktoren Natur, Tourismus, Wirtschaft und Bürgerschaft.
Anhand von drei historischen kartografischen Ansichten verdeutlichte sie die Geschichte der Kulturlandschaft. Weiterhin kritisierte sie die fehlende Wissenschaftlichkeit und Evidenz des aktuellen Schutzstatus sowie eine verunklarende Kommunikation seitens behördlicher und ministerialer Strukturen hinsichtlich der tatsächlichen Zustände im Nationalpark.
Über die Positionen der Bürgerinitiative hinausgehend wurden in der Anhörung durch weitere Sachverständige viele kritische Punkte im Bezug auf den Nationalpark formuliert.
Landrat Michael Geisler bezeichnete die aktuellen Schutzgegebenheiten als verantwortlich für die lähmende Situation im ländlichen Raum der Sächsischen Schweiz. Er forderte grundlegende Reformen der Nationalparkverordnung und die Übertragung der Naturschutzzuständigkeit des Landschaftsschutzgebietes auf den Landkreis sowie die Herauslösung der Bastei aus dem Nationalpark.
Der Rechtsanwalt der Lohmener Normenkontrollklage Joachim Kloos konstatierte eine “ökozentristische Abstraktheit” im Antrag der Fraktion BÜNDNISGRÜNE.
Corina Tischer von der Städteentwicklungsgesellschaft, welche die Projektkoordination für die Sanierung der Burg Hohnstein durchführt, berichtetevon den Hürden im Planungs- und Genehmigungsprozess durch undurchsichtigeund teilweise nicht durchführbare naturschutzrechtliche Vorgaben der Landesdirektion, die erhebliche Zeitverschiebungen und Kostensteigerungennach sich ziehen.
Es zeigte sich während der Anhörung im Landtag ein vielfältiges Bild der Nationalparkproblematik. Die Vertreter der Bürgerinitiative werteten den Terminals einen weiteren Schritt, bei dem die Konflikte in der Sächsischen Schweiz durch den aktuellen Schutzstatus eine Sichtbarkeit erlangen.
In der Anhörung ist es gelungen, die massiven Probleme im Vollzug der aktuellen Verordnung der Nationalparkregion den Landtagsabgeordneten in Dresden zu verdeutlichen. Damit wurde der bestehende Eindruck einer fehlenden Wahrnehmung der Konflikte und Probleme um den Nationalpark seitens der Landesregierung beseitigt. Die Bürgerinitiative hofft nunmehr auf Veränderungen in der Rechtssetzung der Nationalparkregion durch die Sächsischen Landtagsabgeordneten.
